Rätoromanisch

Rätoromanisch in Europa


Beschreibung

Studienobjekte und Methoden der Rätoromanistik
Objekt des Studiengangs «Rätoromanische Sprach- und Literaturwissenschaft» ist das Rätoromanische der Schweiz, eine „Kleinsprache“, deren Sprecherzahl immer weiter zurückgeht, und eine Literatur, die von dieser prekären Situation beeinflusst ist, jedoch für ihre Anerkennung kämpft. Schwerpunktmässig beschäftigt sich die Zürcher Rätoromanistik mit Sprach- und Kulturkontakt, mit Schrifttraditionen und Textsorten, mit inneren und äusseren Gründen für die verschiedenen sprachlichen und literarischen «Modernisierungsschübe».

Zentrale Studienobjekte der rätoromanischen Literaturwissenschaft
Religiöse, politische und populäre Literatur seit dem 16. Jahrhundert
Literarische Werke des 19. und 20. Jahrhunderts
Eng mit der Linguistik verbundene Analysen sprachlicher Register, Stillagen und Textsorten
Das Verhältnis von eigener literarischer Tradition und fremden Einflüssen
Literarische Wertung unter Berücksichtigung ästhetischer sowie kulturhistorisch-ethnographischer Aspekte

Schwerpunkte der rätoromanischen Linguistik
Geschichte und Überdauern der verschiedenen regionalen und lokalen Sprachformen Standardisierungsproblematik des Rätoromanischen Soziolinguistik und Kontaktlinguistik Sprachliche Analyse von Pressetexten, sprachlichem Material aus Radio und Fernsehen, sowie weiterer Gebrauchstexte Voraussetzungen für das Studium der rätoromanischen Sprach- und Literaturwissenschaft Für das Rätoromanistikstudium sind Pioniergeist, Lust an der Auseinandersetzung mit sprachlichen und literarischen Besonderheiten sowie gute Kenntnisse mindestens eines romanischen Idioms gefragt, welche auch während eines mehrsemestrigen Sprachkurses erworben werden können. Die familiäre Atmosphäre im Fachkreis spricht auch Nicht-Muttersprachler an, die sich mit den Traditionen einer Kleinsprache und kontroversen Ansprüchen im rätoromanischen Sprachraum befassen möchten.

Zur Geschichte des Fachs
Ein wichtiger Ausgangspunkt der rätoromanischen Sprachwissenschaft sind G. I. Ascolis 1873 erschienene «Saggi ladini», die das Bündnerromanische, das Dolomitenladinische und das Friulanische zu einer Einheit zusammenfassen. Die Schweizer Rätoromanisten Robert von Planta, Florian Melcher und Chasper Pult sen. spielten eine bedeutende Rolle in der Anfangsphase des Dicziunari Rumantsch Grischun, des rätoromanischen Idiotikums (gegründet 1904; erscheint seit 1939). Sie waren bemüht, in ihrem Wirken die Eigenständigkeit des Bündnerromanischen gegenüber den benachbarten italienischen Mundarten hervorzuheben, eine Ansicht, wie sie später auch der Zürcher Romanistik-Professor Jakob Jud (1922-1950) vertrat.

In der Schweiz wird rätoromanische Sprachwissenschaft an den Universitäten Zürich, Fribourg und Genf (bis 2002 auch an der Universität Bern) betrieben.

Die «Rätoromanische Chrestomathie» (1888-1912) von Caspar Decurtins, angelegt aus kulturhistorischem und volkskundlichem Interesse, ist die bis heute wichtigste Textsammlung für die rätoromanische Literaturwissenschaft. Ein weiterer Meilenstein ist die «Litteratura dals Rumauntschs e Ladins» (1979) des Zürcher Romanistik-Professors Reto R. Bezzola. Eine ästhetisch-kritische Wertung in Verbindung mit einer kulturhistorisch-soziologischen Einordnung der Texte beginnt erst mit den Arbeiten von Iso Camartin, dem ersten Professor für «Rätoromanische Literatur und Kultur» an der Universität und der ETH Zürich (1985-1997).

Professur

Bachelor-Studium

Master-Studium